Das GOOGLE-Imperium
Zusammenfassung und Analyse
Cyrille HORPER - BAC 3 – Sektion Werbung und Kommerzielle Kommunikation - IHECS - Mai 2009
Tippt man bei Google den Suchwort „ Georg Brandt “, bekommt man 3.040.000 Resultate innerhalb von 0,11 Sekunden. Was diese Resultate wohl zu bedeuten haben?
Der Suchgigant aus Kalifornien hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, die Medien- und Internetlandschaft komplett zu revolutionieren. Wie es gelungen ist, einen solchen Erfolg zu erzielen, was Google alles macht, welche Konsequenzen das mit sich bringt, und was genau bei Google passiert wenn man Georg Brandt eingibt und auf Enter drückt, erklärt der freie Journalist aus Hamburg Lars Reppesgaard in seinem Buch „Das Google-Imperium“. Das Werk ist beim Murmann-Verlag für etwa 20 Euro erhältlich.
Die Ursache warum ich diese Buch ausgewählt habe liegt in der Tatsache, dass unsere Sektion Werbung und Kommerzielle Kommunikation in Zukunft immer mehr mit dem Google-Phänomen zu tun haben wird: Hinter dieser Gesellschaft mit den 6 Buchstaben versteckt sich eine Menge die man nicht unterschätzen, ja sogar ignorieren sollte: Google bietet zwar seine Dienste kostenlos an, verdient jedoch eine gewaltige Summe mit einem einzigen Geschäft: Werbung. Desweiteren wird die Ressource dieses Jahrhunderts nicht Öl, Strom oder Wasser, sondern Daten sein. Allein die Tatsache dass immer mehr mit Datenbanken gearbeitet wird belegt dieses Argument.
Im Grunde genommen könnte man Reppesgaards 278 Seiten dickes Buch mit einer kleinen Reise vergleichen: Das Werk gliedert sich in 5 Teile.
In der Einführung wird Google als ein „Phänomen“ dargestellt. Der Suchgigant ist weltweit so populär geworden, dass man bereits Google als Verb benutzen kann: wenn man was Bestimmtes sucht, redet man nicht mehr von suchen sondern von googeln. In der Musikwelt singt man auch bereits über Google: „Google me“ heit der Song der Sängerin Teyana Taylor. An kleinen Anekdoten fehlt es im Buch nicht: Gerüchte zufolge soll eines Tages eine ältere Dame am Eingang der Google-Zentrale in Hamburg gestanden und nach der Röntgenabteilung gefragt haben. Ihr Arzt hatte ihr empfohlen, bei Google zu recherchieren...
Dabei hätte alles anders ausgehen können: Die Suchmaschine findet seinen Ursprung in den 90er Jahren. Damals hatten die beiden späteren Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin eine Suchmaschine für ein Universitäts-Projekt aufgebaut. Das Projekt hieß damals noch Backrub, und der Server, ein selbstgebauter Rechner, befand sich in der Studentenwohnung von Larry Page. Dass man auf den Namen Google gekommen ist, soll an einem Tippfehler liegen: Gogool ist eine Zahl mit 100 Nullen, eine gigantische Summe also...und der eigentliche Name des Unternehmens. Doch als die Gründer herausfinden wollten, ob der Name bereits vergeben war, vertippte sich jemand: es war die Geburtsstunde von Google, und nicht Gogool...
Im zweiten Teil wird beschrieben, was das Unternehmen aus dem Silicon Valley ist und macht. Der Glaube, Google sei nur eine Suchmaschine, ist ein Irrtum: über 60 Dienste gibt es bereits, und das Angebot steigt ständig. Die Bekanntesten sind neben der Online Text- und Bildsuchmaschine Dienstleistungen wie NEWS, STREET VIEW, EARTH, MAPS oder HEALTH. Die etwas ungewöhnliche Unternehmens-Philosophie wird genau analysiert. Dabei geht hervor dass Google Dinge macht, die andere nie wagen würden: neue Erfindungen, so gewagt oder verrückt sie sein wollen, werden entwickelt und getestet: denn im Gegensatz zu einer nicht-virtuellen Gesellschaft ist ein Fehler oder ein Scheitern schnell repariert: ein Paar Zeilen Programmiercode reichen meist aus, um Probleme zu bewältigen... Die Mitarbeiter in den weltweiten Google-Zentralen und des Googleplex, dem Hauptsitz von Google im Silicon Valley, haben flexible Arbeits-Zeiten und attraktive Arbeitsverhältnisse. An Bewerbungen fehlt es nicht, und Google musste sogar ein Auswahlverfahren auf die Beine setzen, um das Personal zu rekrutieren.
Danach wird erklärt wie es dazu kam dass Google innerhalb kürzester Zeit so reich und bekannt wurde. Dabei macht Reppesgaard den Unterschied zwischen den früheren Suchmaschinen-Generationen und den „Plus“ den Google bietet. Eine Suchmaschine bot in den Geburtsstunden des Internets die Möglichkeit, Begriffe zu finden, die zu der Suche passten. Erst später wurde das System mit Operatoren wie AND oder OR ausgerüstet. Wörter konnten so miteinander verknüpft werden. Nach und nach konnten Suchmaschinen die Wörter in ihrem Zusammenhang verstehen. So konnte das System erkennen, ob man bei dem Suchbegriff Golf die Sportart oder das Auto meinte. Ende der 90er kam Google, und mit ihm ein Patent mit dem Namen Page Rank. Die indexierten Seiten wurden nicht nur nach Wörtern und Begriffen katalogisiert, sondern auch nach der Anzahl der Verweise, die zu diesen Seiten führen. Eine Webseite auf der viel verwiesen wird ist dementsprechend relevanter als eine, zu der niemand einen Link gesetzt hat. Die relevantesten Resultate einer Suche werden deswegen ganz oben auf der Seite angezeigt. Das ist Googles Qualitätsindikator.
In Google wurde viel Geld investiert, und irgendwann musste sich das auch lohnen. So ist es also nicht erstaunlich dass ab 2001 Werbeanzeigen am rechten Rand der Resultate angezeigt werden. Im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen wie Yahoo! oder Lycos, dessen Auftritt voller Bannerreklamen und Pop-Ups den Besuchern auf den Nerven gingen, präsentiert sich Google mit einer einfachen weißen Suchseite. Desweiteren werden die Anzeigen je nach eingegebenem Suchwort angezeigt. Diese zwei einfachen Tricks sind die Erfolgsrezepte von Google gewesen, und sind es immer noch. Die Anzeigenstellen werden je nach Suchwort versteigert. Eine Firma kauft bei Google keinen festen Platz ein und bezahlt auch keinen festen Preis. Es handelt sich vielmehr um einen Klickpreis, eine Summe die die Firma bezahlt wenn jemand auf die Anzeige klickt. Ein solches personalisiertes Anzeigesystem hat Schule gemacht: Facebook versucht mit den gleichen Methoden Geld zu verdienen.
Im vierten Teil wird die Sache deutlich spektakulärer und surrealistischer: hier wird klar dass Google immer mehr Daten aufsammeln will. Suchbegriffen von Webseiten sind nicht genug. Jetzt kann man den ganzen Globus anhand von Karten und Satellitenaufnahmen entdecken, und immer mehr Städte werden mit Spezialkameras abgelichtet damit man komplette Straßen bei STREET VIEW betrachten kann. So hervorragend das klingen mag, Google wirft dennoch dunkle Schatten: die Inbetriebnahme von Google.cn, dem chinesischen Portal von Google, hat dem Suchgiganten ein Imageschaden zugefügt. Google musste sich vor der chinesischen Regierung knien und akzeptieren, dass einige Seiten, Beiträge und Inhalte in China nicht angezeigt werden dürfen. Gibt man bei Google.cn Suchwörter wie Tibet oder Platz des Himmlischen Friedens ein, so bekommt man nur positive, politisch-korrekte Inhalte angeboten. Von Protestaktionen im Tibet oder kritischen Regierungsgegnern fehlt da jede Spur. Viele Organisationen wie Reporters without Boundaries waren über dies sehr enttäuscht, und die Presse reagierte mit negativen Kritiken. „Google wird böse“ titelte Spiegel Online, als Anspielung auf die interne Google-Philosophie „Tu nichts Schlechtes.“ Tatsächlich ist dies ein Zeichen: hier steht ganz klar das kommerzielle Interesse weit über der Idee, das Internet frei für jeden zugänglich zu machen.
Desweiteren wird erklärt dass das Google-Netz aus einer Million Rechner besteht, und diese überall auf der Welt verbreitet sind. Man kann davon ausgehen dass zwischen 700 und 1000 Rechner an einer Suche beteiligt sind. Jeden Tag verarbeitet Google mehr als 20 Millionen Gigabytes, und würden alle indexierten Seiten auf Papier gedruckt werden, so würde der Berg eine Höhe von 1600 Kilometer erreichen. Dass Google ein Netz von Server besitzt gibt dem Medienriesen eine noch nie gesehene Flexibilität, sodass kaum jemand was bemerken würde wenn irgendwo auf der Welt ein Serverstandort ausfällt.
Google ist eine Sammlung von Datenburgen geworden. Dabei kann dies auch ernste Probleme mit sich bringen: da Google die getippten Suchwörter zusammen mit IP-Adresse, Datum und Uhrzeit genau in Log-Files speichert, könnte man Profile herstellen und genau herausfinden, welche Person sich für was interessiert, welche Befürchtungen oder welche Probleme diese hat, und wie ihr gesundheitlicher Zustand aussieht. Angesichts der Tatsache dass dies heutzutage technisch machbar wäre, kann man sich leicht vorstellen, was alles passieren würde wenn Fremde wie Hacker oder sogar totalistische Regierungen an diese ungeheureren Datenmengen herankommen würden. Was wäre, wenn eine Regierung wie die in China genau wüsste, wo sich Oppositionsleader und Kritiker verstecken würden? Was wäre, wenn große Firmenunternehmen genaue und meist intime Details ihrer Angestellten herausfinden könnten? Und schließlich: was wäre wenn Google an irgendjemand verkauft werden würde?
Zum Schluss erklärt Reppesgaard wie man seine Daten am Besten schützen kann. Hierbei gibt er den Nutzern den Tipp, Cookies in ihrem Internet-Browser nach jeder Sitzung zu löschen. Ein Blick bei alternativen Anbietern soll die Möglichkeit geben, nicht zu viel an Google preiszugeben. Somit kann man seine Spuren verwischen und es so unmöglich machen, ein genaues Profil herzustellen.
Dass man in diesem Buch soviel über Google erfahren würde hätte ich nicht geglaubt. Deswegen bin ich auch überrascht und überwältigt, und kann dieses Werk nur weiterempfehlen. Wer sich fürs Internet und ganz besonders für den Datenschutz interessiert wird hier sehr viel erfahren.
Das Buch ist in einem einfach zu verstehenden Deutsch verfasst und in großer Schrift geschrieben. Dennoch gibt es einen kleinen Minuspunkt: ein Paar Grammatik- und Tippfehler müssten verbessert werden.
Interessant ist die Methode, mit der Reppesgaard jedes Kapitel beginnt: eine kleine Geschichte soll es ermöglichen, die Thematik des Kapitels fortan zu verstehen. Dies gibt dem Buch eine konkrete und farbige Seite.
Zum Schluss wird über so viele Produkte und Dienste geredet dass man kaum den Baum im Wald wiederfindet. Dennoch ist dieses Werk empfehlenswert, nicht zuletzt weil sich hier ein Filmregisseur wie Steven Spielberg sehr schnell für ein Science-Fiction-Streifen inspirieren könnte...




